Melanie Follmer

Melanie Follmer – 3punktf

Töpferware klingt eher altbacken, doch handgemachte Keramik liegt voll im Trend. Mit dem Foodboom der letzten Jahre hat sich auch die Keramikszene weiterentwickelt. Neue Ideen, Techniken, Farben befeuern den Markt. Melanie Follmer geht es um mehr als Trendsetter zu sein: Mit ihrem Label 3punktf macht sie die Schönheit der Alltagsgegenstände bewusster.

Töpfern – damit liegst du voll im Trend.

Unter dem #pottery auf Instagram tummeln sich aktuell 4.367.441 Beiträge. Und das sind nicht Posts von instagramwütigen Selbstdarstellern, sondern hier findet man die neuesten Keramiktrends und wunderbare Erklärvideos vom Drehen auf der Töpferscheibe bis zu „wie baue ich mir einen raku-Ofen?“. Es ist ein goldenes Zeitalter um sich mit einem Handwerk vertraut zu machen. Die Online-Akteure lassen uns bereitwillig an ihrem Wissen teilhaben und befriedigen hiermit, allein beim Zuschauen, unsere Sehnsucht nach dem Ursprünglichen.

Zum Töpferkurs in den hohen Norden nach Bardowick

Unter dem Kirschbaum vor dem langgestreckten Backsteinhaus mit dem verwunschenen Garten ist der Frühstückstisch schon gedeckt. Die wunderbaren Tassen, Teller, Bowls, Kännchen und Etageren von Melanie Follmer sind nicht nur zum Verkauf bestimmt – sie sind im ganzen Haus allgegenwärtig, Gebrauchsgegenstände eben.

„Ihr könnt euch überall aufhalten.“

Melanies offenes Haus ist ein gemütlicher, einladender Ort. Ihre 4 Kinder und ihr Mann sind es gewohnt, dass sich Arbeit und Familienleben ständig vermischen. Die Hälfte des Erdgeschosses plus die kleine Scheune sind mittlerweile Werkstatt und somit auch Lebensraum. Zwei feste Mitarbeiter beschäftigt Melanie, dazu immer wieder Praktikanten und eine gute Hausfee.

Die Keramik von Melanie Follmers Manufaktur 3punktf  ist in vielen Zeitschriften, Kochbüchern und Blogs zu sehen. Ihr Name ist in der Foodszene bekannt, doch was sie besonders stolz macht: die Freunde ihrer großen Tochter gehen nicht zu IKEA, sondern kommen zu ihr, um die Studentenbude mit ihrer Keramik auszustatten. Mission erfüllt. Den Menschen die Schönheit der Alltagsdinge nahezubringen und den wertschätzenden Umgang damit zu lehren.

„Ihr braucht nicht zu glauben, dass ihr hier mit einem Stück Keramik nach Hause geht, das so aussieht, wie ihr es euch vorgenommen habt.“ So begann unserer Kurs bei Melanie und sie war uns eine gute Lehrerin. Sie hat uns behutsam ausprobieren lassen, Fehler machen lassen, um uns dann langsam zu dem einen Aha-Erlebnis zu begleiten, das den Fortschritt bedeutete. Hilf mir, es selbst zu tun und so sind die wichtigsten Handgriffe, wie eingebrannt.

„Ihr könnt ne Jeans mit High Heels tragen oder mit Chucks.“

„Die Anmutung und den Stil eurer Keramik gestaltet ihr,“  erklärt uns Melanie beim Abdrehen unserer tags zuvor entstandenen „Meisterwerke“. Davon sind wir noch weit entfernt. Töpfern kann sehr meditativ sein, keine Frage, aber auch nervenaufreibend, zeitweise frustrierend, wenn der siebte Tonklumpen in Folge sich nicht zentrieren lässt und mit einem lauten „Blatsch“ in die Auffangschale fliegt. Hat man es aber einmal geschafft, diesen Klumpen Erde, mit den eigenen Händen nach oben zu ziehen und ein becherförmiges Gebilde zu erschaffen, erstrahlt die Welt in neuem Glanz.

Die Keramik von 3punktf ist von schlichter Eleganz. Die Grundlage für ihr Gespür für die Formen und Farben ihrer unterschiedlichen Keramikserien hat sie in ihrem Studium für Textildesign in Hamburg erlangt. Nach zehn aufregenden Jahren in der Modebranche, angefüllt mit vielen Reisen und Messeterminen ist Melanie Follmer mit ihrer Familie aufs Land nach Bardowick gezogen und hat etwas Neues begonnen.

„Ich suche nicht das Perfekte. Ich finde es spannender, das Unperfekte aushalten zu können.“

Aus dem Töpferkurs, den Melanie vor 11 Jahren aus der Not heraus besucht hatte, sie war auf der Suche nach einem Tischservice, das zu ihren Lebensumständen und ihrer Vorstellung von Ästhetik passte: handgemacht, schlicht, robust und gleichzeitig schön und sinnlich – wurde eine Berufung. Heute gibt es sechs unterschiedliche Serien unter dem Label 3punktf. Jede Serie hat ihren eigenen Charakter. (www.3punktf.de)

Dabei ist jeder Teller, jede Tasse, jede Bowl gewollt individuell, auch wenn sie einer Serie entstammen. Die Glasur verläuft anders, die Höhen sind minimal unterschiedlich. Besonders beim Ineinanderstapeln merkt man dies, kein Teil ähnelt dem anderen 100-prozentig. „Manche meiner Kunden kommen herein und finden den verwunschenen Garten wunderschön, unser offenes Haus, meine Arbeiten. Sobald sie mein Geschirr aber in ihren Schränken haben tun sie sich schwer mit der Individualität meiner Keramik.“


Geschirr muss zum Menschen und seiner Umgebung passen, damit die Benutzung des reinen Alltagsgegenstandes zur sinnlichen Erfahrung werden kann.

Jeder von uns hat Bilder von Arrangements im Kopf, die er mit bestimmten Speisen verbindet. Das Holzbrettl für die Almjause mit Speck und Käs, das Sonntagsservice bei den Großeltern, gefüllt mit Blaukraut, Knödel und dem Sonntagsbraten.

Genau diese Bilder versuchen wir in der Foodfotografie mit der Auswahl des Geschirrs, den Unter- und Hintergründen, den Accessoires zum jeweiligen Gericht nachzuerzählen, zu stilisieren, manchmal neu zu interpretieren. Mit Melanies Geschirr wird dies ein Leichtes.

Backhendlschale von Melanie Follmer
 Zitronenteller von Amelie Tacke
Mayoschale von Dirk Tacke
Tablett von smalleditions.de

Rezept: Backhendl von der Oberkeule aus dem Buch zart und saftig von Petra Hammerstein (www.dermutanderer.de). Erschienen September 2018 im Umschauverlag.

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