Der Hachl-Schmied, Josef Geisler, in seiner Schmiede

Der Schmied aus dem Josefstal – ein Leben im Einklang

Wie schön muss es sein, sich nicht immer neu erfinden zu müssen. Gewiß zu sein, wo der eigene Platz im Leben ist. Josef Geisler, der Schmied aus dem Schlierseer Tal, ist schon lange an seinem Platz angekommen und scheint ein glücklicher Mensch zu sein.

Wer die Josefstaler Hachl-Schmiede, in der Nähe vom Schliersee betritt, reibt sich erst einmal verwundert die Augen. Beim Betreten der Schmiede beginnt eine Zeitreise in die Vergangenheit. Es ist dunkel, die Wände sind schwarz vor Ruß. Riesige Schmiedehämmer stehen entlang der langen Wand, dahinter spannen sich, bis an die Decke, die Antriebsriemen. Werkbänke mit dicken abgegriffenen Holzplatten, darauf, wie zu einem Stilleben drapiert, helle Hobelspäne und verrostete Blechdosen. Der Amboss, auf einem groben überdimensionierten Holzklotz montiert, steht zentral vor der Esse, in der bereits das Feuer lodert und die Steinkohle rotgolden glüht. Oberhalb der Esse hängen mehrere Dutzend Schmiedezangen. Alles ist mit einer braun-schwarzen Patina überzogen, sogar die Spinnweben sind schwarz. Die Werkzeuge und Gerätschaften scheinen schon seit Jahrhunderten in Benutzung zu sein.

Es würde einen nicht wundern, wenn Hephaistos, der römischen Gott des Feuers und der Schmiedekunst, hier mit nackten Oberkörper und Lendenschurz den Hammer schwingen würde. In der Mythologie wird er als hässlich und hinkend beschrieben, doch dank seiner kräftigen Statur, war Hephaistos ein geschickter Schmied und Handwerker. Er formte aus glühendem Eisen alles, was seine olympischen Götterfreunde zum Leben und Vergnügen brauchten. Die Rüstung des Ares, die Pfeile des Eros oder das Zepter und die Donnerkeile des Zeus. Im Gegensatz zu Hephaistos ist Josef Geisler, der leibhaftige Schmied der Hachl-Schmiede nicht hässlich und hinkend und hat auch keinen nackten, durchtrainierten Oberkörper, sondern er trägt Blaumann, ein blau-weiß gestreiftes Leinenhemd und einen Wollpullover darüber, gegen die herbstliche Kälte.

„Manche haben meine Sacha ewig“

Doch wie bei seinem Schutzpatron sind viele seiner hergestellten Werkzeuge für die Ewigkeit gemacht. „Die Holzarbeiter kaufen lieber bei mir ein, die mögen das Fabrikzeug net“, erzählt Josef Geisler stolz. Eisenhandlungen, Baugeschäfte, Forstämter, Holzarbeiter und Privatleute zählen zu seiner Kundschaft. Für sie fertigt er Äxte, Beile, Rindenschäler, Sapie und schmiedeeiserne Pfannen an. „Manche haben meine Sacha ewig“, sagt er und wenn einmal der Stiel einer Axt lose, oder das Beil stumpf ist, dann wissen es die Leute zu schätzen, dass man in der Schlierseeer Hammerschmiede jederzeit zur Reparatur vorbeikommen kann.

Am Fuße von Jägerkamp und Brecherspitze liegt die historische Hachl-Schmiede. Bereits anno 1720 wurde hier glühendes Eisen mit kraftvollen Hammerschlägen zu Werkzeugen geformt. Die abgeleiteten Wassermassen des benachbarten Hachlbaches treiben seit Jahrhunderten mit Hilfe eines Wasserrades, das fast fünf Meter im Durchmesser misst, die drei Tonnen schweren Schmiedehämmer an. Zur Zeit steht das Wasserrad still, es muss repariert werden. Für solche Notfälle und für die kalte Jahreszeit, wo der Bach zu wenig Wasser führt, schaltet Josef Geisler dann den Elektromotor für die Schmiedehämmer zu.

Unter ohrenbetäubendem Schlägen saust der Hammer immer wieder auf und ab und drückt das glühende Stück Eisen zu einem Axtblatt zusammen. Josef Geisler bewegt das Werkstück mit der Schmiedezange virtuos unter den mächtigen Hammerschlägen hin und her. Mal steht er links vom Hammer, dann wieder rechts. Die Geschwindigkeit der aufeinanderfolgenden Schläge lässt sich nicht einstellen, nur An und Aus, kann man den Hammer mittels eines Fußpedals stellen. Der Schmied hat keine Mühe dem vorgegebenen Takt der gewaltigen Maschine zu folgen, trotz seiner 80 Jahre, wirken seine Bewegungen konzentriert und kraftvoll – im Einklang mit der Maschine formt er das Werkzeug nach seinen Vorstellungen.

„I bin frei, i bin mei eigener Herr“

Josef Geisler ist Jahrgang 1937. Aufgewachsen ist er, mit seinen drei Geschwistern, auf einem Bauernhof in Götting, zwischen Bruckmühl und Bad Aibling. Nach seiner Lehrzeit zum Schlosser- und Maschinenbauer kam er 1956 als Geselle in die Hachl-Schmiede zu seinem Firmpaten und dessen Bruder. 1972 übernahm er die Schmiede auf Leibrentenbasis. „35 Jahr hab i Leibrente zahlt“, erzählt Josef Geisler. Seit 2007 gehört ihm die denkmalgeschützte Schmiede. Nebenan hat er 1989 für seine Familie ein Haus gebaut.

„I bin frei, i bin mei eigener Herr“, antwortet Josef Geisler auf die Frage, ob er gerne etwas anderes in seinem Leben gemacht hätte. Er hat sein Tun nie hinterfragen müssen, nie hinterfragen wollen. Arbeit gab es immer genug. Um sieben in der Früh ging es in die Werkstatt, um halb zwölf hat seine Frau zum Mittagessen gerufen und von eins bis fünf wurde dann weitergearbeitet. Am Samstag hat er bereits als Geselle nicht arbeiten müssen, höchstens mal zum Werkstatt aufräumen. „I hab nie irgendwohin fahra müssa zum Arbeita“, betont der Schmied. Nachdem sein Firmpate und dessen Bruder in Rente gegangen sind, hat er immer alleine gearbeitet – weil er es so wollte. „Noch nie, hat jemand bei mir sei Rechnung net zahlt, i hab noch nie an Anwalt braucht.“

Er ist kein Mann der vielen Worte, doch wenn ein Wanderer dem „Klong, Klong, Klong“ der Hammerschläge folgt und neugierig in der Tür der Schmiede steht, gibt Josef Geisler bereitwillig Auskunft zu den Techniken des Schmiedens. Eingangs wird er oft gefragt: “Warum ist es hier so dunkel, Sie sehen doch gar nichts.“ Josef Geisler erklärt dann zum wiederholten Male: „Man muss die Glüh-und Anlaßfarben beurteilen können und dies funktioniert eben am Besten im Dunkeln.“ Sein Firmpate hatte dafür sogar die kleinen Scheiben der Fenster schwarz gestrichen, das hat er aber wieder entfernt.

“Warum ist es hier so dunkel, Sie sehen doch gar nichts.“

Glüht das Metall hellrot, hat es eine Temperatur von 850 Grad, bei gelb schon eine Temperatur von 1100 Grad. Mit Hilfe einer Zange wird das glühende Material zu den Hammerwerken oder zum Amboss getragen und dort in Form gehämmert. Fällt die Temperatur des Werkstücks beim Hämmern unter 800 Grad, muss man das Werkstück noch einmal erhitzen, ansonsten wird es spröde und reißt. Damit das Metall härtet, wird es nach dem Aufheizen abgeschreckt. Dies geschieht, durch das Eintauchen in Wasser oder Öl. Von grau nach weißgelb kann sich die Farbe des Werkstücks beim Abkühlen verändern. Welche Farbe die richtige ist und wie lange und wie oft man das Werkstück zum Abkühlen eintauchen muss, lernt man nur durch viel Erfahrung. Und davon hat Josef Geisler zur Genüge, mittlerweile sind es 61 Jahre plus die Lehrjahre. Aber an Aufhören will Josef Geisler gar nicht denken, er hat immer noch genügend Auftragsarbeiten zu erledigen. Doch bei schönem Wetter kann es passieren, dass er nur vormittags in der Werkstatt ist, dann hat ihn seine Frau Therese gedrängt, mit aufn Berg zu gehen.

In dem kleinen Verkaufsraum, neben der Werkstatt, sind Josef Geislers Arbeiten ausgestellt. Hier stapeln sich Axtkeile, Eiskratzer, Sapie und schmiedeeiserne Pfannen in allerlei Größen und Formen. „Für Bratkartoffeln gibt es nicht Besseres“, meint Josef Geisler.

„Für Bratkartoffeln gibt es nicht Besseres“

Wichtig für eine schmiedeeiserne Bratpfanne ist aber das Einbrennen. Dazu eine rohe Kartoffel in Scheiben schneiden, die Pfanne erhitzen und die Kartoffelscheiben mit etwas Öl und 1 EL Salz kräftig rösten. Die gerösteten Kartoffelscheiben anschließend wegwerfen und die abgekühlte Pfanne mit Küchenpapier ausreiben. Die Pfanne ist nun gebrauchsfertig. Als Tipp: Niemals Spülmittel verwenden, die Pfanne auf keinen Fall scheuern, bei Verkrustungen, die Pfanne mit heißem, klaren Wasser einweichen und anschließend ausspülen. Eventuell nach dem Spülen die Innenseite der Pfanne mit etwas Salatöl einreiben.

In einzelnen Schritten wird das Einbrennen einer Pfanne gezeigt.

Als Rezept empfehlen wir: Gröstl mit Speckknödel und Sauerkraut.

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